| |
 |
|
|
|
 |
 |
|
Text:
Ulrike Mimus alias Enussah gehört zu den ganz Großen in der Bauchtanzszene - „ Mit der Ausbildung ist man nie fertig”
Viel mehr als ein bisschen Gewackle „Die hohe Kunst der Körperbeherrschung”
„Ich habe meine ganze Jugend auf dem Pferd verbracht, deswegen wusste ich nicht, dass ich tanzen kann. ” Im Alter von 20 Jahren entdeckte Ulrike Mimus dann ihr Talent fürs Tanzen. 1993 fand die Tochter ungarischer Eltern zum orientalischen Tanz. Eine fundierte Grund- und Weiterbildung bei namhaften Dozenten im In- und Ausland über mehrere Jahre folgte. Auftritte in Kairo und beim Rakassah-Festival in Oakland/San Francisco waren der Beginn ihrer internationalen Aktivität als orientalische Tänzerin. Mittlerweile gehört die Nürnbergerin zu den ganz Großen in der Tanzszene. Ihr Künstlername „Enussah” steht für das, was der Bauchtanz wie kein anderer Tanz ausdrückt: Enussah ist ein ägyptischer Begriff und bedeutet „Weiblichkeit”.
Der orientalische Tanz in authentischer Form heißt Raks Sharki. Er bietet ein Wechselspiel von weiblicher Sanftheit und rasanter Tanztechnik zur arabischen Trommel. Es blieb den Amerikanern vorbehalten, diesen Begriff zu versimpeln. Als sie den Raks Sharki erstmals in arabischen Ländern sahen, waren sie etwas befremdet über diesen „Tanz des Bauches” und nannten ihn kurzerhand „Bellydance”, also Bauchtanz. Wenig später geisterte dieser Begriff auch in Deutschland herum und hat sich mittlerweile etabliert.
„Bauchtanz gibt den Frauen viel Selbstbewusstsein, manchmal zuviel...”, stellt Ulrike Mimus schmunzelnd fest. „Ich meine, wenn jemand drei Stunden Unterricht an der Volkshochschule genommen hat, ist er mit Sicherheit noch nicht soweit, dass er in einer ihm fremden Gesellschaft auftreten kann, egal wie gut er ist, egal wie schön er ist. So entstünde in der Öffentlichkeit der Eindruck, Bauchtanz sei nur so ein bisschen Gewackle - ”und das ist es eben nicht”.
Ulrike Mimus alias Enussah hat an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Sport mit Schwerpunkt Gymnastik und Tanz studiert, schnupperte in andere Tanzrichtungen hinein, wie Flamenco, Jazz- und Stepptanz. Trotz all dieser sportlichen und tänzerischen Vorgaben nahm die Mutter von drei Kindern für sich selbst erst nach sechs Jahren in Anspruch: „Jetzt passt es.”
In Kairo ging die Post ab
Enussah sagt aber auch, mit der Ausbildung sei man nie fertig. Sie hat den klassisch orientalischen Tanz „Raks Sharki” derart perfektioniert, dass sie in Kairo vor hochkarätigem Fachpublikum glatt als einheimische Tänzerin durchging und zwar als eine aus dem Spitzenfeld. Sie hat sich für den orientalischen Tanz Lehrer aus Ägypten genommen und wurde von allen unterrichtet, die Rang und Namen haben.
Grundelement des Bauchtanzes ist Enussah zufolge die Isolation. Damit ist gemeint, jeden Körperteil für sich allein bewegen zu können, ohne dass der restliche Körper auch nur mitvibriert. Mit Bauch oder nicht Bauch hat dies alles nichts zu tun. „Raks Sharki ist die hohe Kunst der Körperbeherrschung, es ist der perfekte Tanz, weil er alles hat, was in einem Tanz drin sein muss”, gerät Enussah ins Schwärmen. In erster Linie sei er sehr weiblich, also für eine Frau der Tanz schlechthin. Er enthalte Lebensfreude, die Tänzerin könne aber auch in sich zurückgezogen sein, dann wieder fröhlich, traurig, leidenschaftlich und dramatisch.
An Wochenenden ausgebucht
„Wenn ich auftrete, dann will ich nicht zeigen, dass ich toll bin, sondern dann will ich die Begeisterung für diesen Tanz rüberbringen”, erzählt die Frau eines Blumenhausbesitzers in der Katzwanger Hauptstraße. Ihre Wochenenden sind immer ausgebucht, und im Schnitt kommt Enussah auf zehn Auftritte im Monat. „Bei irakischen Festen geht die Post ab, wohingegen das deutsche Publikum mehr die etwas mystischen Sachen liebt.” Mit so was brauche sie aber bei türkischen Hochzeiten nicht kommen, „die wollen mehr Tempo von Anfang an”.
Bei aller Ausbildung könne man eines nicht erlernen, nämlich das gewisse Etwas. Ulrike Mimus: „Ich bin immer der Meinung, eine Frau gibt ihre Tricks nicht weiter.” (www.enussah.de)
Dieter Wegener
Bildunterschriften: links oben: „Bauchtanz ist der weiblichste Tanz aller Tänze.” Fotos: privat rechts oben: „Leidenschaft, Lebensfreude, Traurigkeit und Dramatik, alles ist drin.” links unten: „Man muss etwas vorzeigen können, was andere so nicht präsentieren.” rechts unten: „Wenn ich bei einem irakischen Fest tanze, geht natürlich die Post ab.”
|
|
|